Buch Empfehlung
Wir, Leseratten und Bücherwürmer, sind immer auf der Suche nach neuem Lesematerial. Vielleicht haben Sie gerade oder auch schon vor längerer Zeit ein Buch gelesen, dass Sie uns ans Herz legen möchten. Schreiben Sie uns darüber (an hecklingrid@gmx.de) und wir werden ihren Vorschlag hier allen zur Verfügung stellen.
Nobelpreis für Literatur 2025 "Zsömle ist weg" von László Krasznahorkai
Eine melancholische und zugleich politische Satire über Macht, Geschichte und die Absurdität nationaler Sehnsüchte.
Im Mittelpunkt steht der hochbetagte József Kada, von allen nur „Onkel Józsi“ genannt. Er lebt zurückgezogen mit seinem Hund Zsömle in einem abgelegenen ungarischen Dorf auf einem Berg. Sein Leben ist still, unscheinbar und fast vollständig von der Außenwelt abgeschnitten. Doch diese Ruhe endet abrupt, als eine bizarre Gruppe aus Monarchisten, Hobbyhistorikern und fanatischen Archivaren bei ihm auftaucht.
Die Besucher behaupten, Józsi sei der letzte legitime Nachfahre der alten ungarischen Árpáden-Dynastie. Seine Familie habe über Jahrhunderte im Verborgenen gelebt, obwohl sie theoretisch Anspruch auf den ungarischen Thron hätte. Während Ungarn ihrer Ansicht nach politisch und moralisch verfällt, sehen sie in dem alten Mann die letzte Hoffnung auf nationale Erneuerung.
Józsi selbst will davon jedoch nichts wissen. Er hat sein ganzes Leben versucht, unsichtbar zu bleiben und sich aus Politik und Ideologien herauszuhalten. Trotzdem gerät er immer tiefer in die absurden Pläne seiner selbsternannten Anhänger. Zwischen endlosen Gesprächen, Verschwörungstheorien, historischen Fantasien und grotesken Diskussionen entfaltet sich langsam ein Bild einer Gesellschaft, die verzweifelt nach Ordnung, Größe und Sinn sucht.
Der Roman erzählt dabei weniger eine klassische Handlung als einen Strudel aus Gedanken, Erinnerungen und Dialogen. Krasznahorkai schreibt in seinem typischen Stil: lange, mäandernde Sätze ohne viele Absätze oder klare Ruhepunkte. Dadurch entsteht das Gefühl eines nicht endenden Bewusstseinsstroms, in dem Realität, Wahn und politische Fantasie immer stärker ineinanderfließen Der Autor verrät viel über Ungarns Geschichte und das Selbstverständnis seiner Bewohner.
Der Titel „Zsömle ist weg“ bezieht sich auf Józsis Hund, dessen Verschwinden wie ein stilles Symbol für Verlust, Orientierungslosigkeit und das Zerbrechen der vertrauten Welt wirkt. Hinter dem oft sarkastischen Humor liegt eine tiefe Traurigkeit über ein Land und eine Gesellschaft, die sich nach einer Vergangenheit sehnen, die es vielleicht nie wirklich gegeben hat.
"Ein Mann mit vielen Talenten" von Castle Freeman
Ein Mann mit vielen Talenten erzählt die Geschichte von Langdon Taft, einem heruntergekommenen ehemaligen Lehrer und erfolglosen Schriftsteller irgendwo im ländlichen Vermont. Taft lebt ziemlich trostlos vor sich hin: Er trinkt zu viel, schreibt nichts Brauchbares mehr und hat das Gefühl, dass sein Leben im Grunde schon vorbei ist. Genau in dieser Stimmung taucht eines Tages ein geheimnisvoller Fremder namens Dangerfield auf.
Dangerfield macht Taft ein Angebot, das verdächtig stark an den klassischen Faust-Stoff erinnert: Für einen begrenzten Zeitraum soll Taft alles bekommen können, was er sich wünscht — Erfolg, Fähigkeiten, Einfluss, Anerkennung. Der Preis dafür ist allerdings hoch: Nach Ablauf der Frist gehört Tafts Seele dem Fremden. Taft nimmt den Handel an, auch weil er glaubt, ohnehin kaum noch etwas zu verlieren zu haben.
Doch statt sich in Macht oder Luxus zu verlieren, nutzt Taft seine neuen Fähigkeiten auf unerwartete Weise. Er hilft Menschen in seiner Umgebung, heilt Kranke, löst Probleme und entwickelt sich langsam zu einer Art lokaler Wunderfigur — eben zu einem „Mann mit vielen Talenten“. Gleichzeitig versucht er, Dangerfield auszutricksen und dem teuflischen Pakt irgendwie zu entkommen. Dabei entstehen viele skurrile und komische Situationen, vor allem durch die trockenen Dialoge zwischen dem resignierten Taft und dem eleganten, geduldig-bedrohlichen Dangerfield.
Je näher jedoch der vereinbarte Stichtag rückt, desto ernster wird die Lage. Taft muss sich fragen, ob gute Taten wirklich ausreichen, um sich aus einem Handel mit dem Teufel zu befreien — und ob ein Mensch sein Leben vielleicht doch noch ändern kann, selbst wenn er sich längst aufgegeben hatte. Hinter dem Humor und den lakonischen Gesprächen steckt der Faust-Mythos neu interpretiert.
„Hundert Jahre Einsamkeit“ von Gabriel García Márquez
Der Roman *„Hundert Jahre Einsamkeit“* (*Cien años de soledad*, 1967) erzählt die Geschichte der Familie Buendía über mehrere Generationen hinweg und spielt im fiktiven Dorf Macondo in Lateinamerika. Das Werk gilt als eines der bedeutendsten Beispiele des magischen Realismus, da alltägliche Ereignisse mit übernatürlichen und fantastischen Elementen verbunden werden.
Die Handlung beginnt mit der Gründung Macondos durch José Arcadio Buendía und seine Frau Úrsula Iguarán. José Arcadio ist ein neugieriger und von wissenschaftlichen Ideen besessener Mann, der sich immer wieder neuen Experimenten widmet, während Úrsula versucht, die Familie zusammenzuhalten. Schon früh zeigt sich ein zentrales Motiv des Romans: die Einsamkeit der einzelnen Familienmitglieder, die trotz enger Verwandtschaft innerlich voneinander getrennt bleiben.
Im Verlauf des Romans werden mehrere Generationen der Buendías beschrieben, deren Mitglieder häufig dieselben Namen tragen — vor allem José Arcadio und Aureliano — und dadurch ähnliche Charakterzüge und Schicksale wiederholen. Oberst Aureliano Buendía wird zu einer wichtigen Figur: Er führt zahlreiche Bürgerkriege, verliert jedoch zunehmend den Sinn seines Kampfes und zieht sich schließlich in Isolation zurück.
Während sich Macondo von einem abgeschiedenen Dorf zu einer von Fortschritt und ausländischen Einflüssen geprägten Stadt entwickelt, erlebt es wirtschaftlichen Aufschwung, politische Konflikte und schließlich Niedergang. Ein Wendepunkt ist die Ankunft einer ausländischen Bananengesellschaft, deren Ausbeutung der Arbeiter in einem Massaker endet — ein Ereignis, das später von der offiziellen Geschichte verdrängt wird.
Parallel dazu verschwimmen Realität und Fantasie immer stärker: Figuren schweben in den Himmel, Geister erscheinen selbstverständlich im Alltag, und ungewöhnliche Naturereignisse beeinflussen das Leben der Bewohner. Diese magischen Elemente werden von den Figuren als normal akzeptiert.
Am Ende entdeckt das letzte Mitglied der Familie, Aureliano Babilonia, alte Manuskripte des Zigeuners Melquíades. Er erkennt, dass die gesamte Geschichte der Buendías bereits vorherbestimmt war und genau in dem Moment endet, in dem er sie entschlüsselt. Mit einem zerstörerischen Sturm wird Macondo ausgelöscht — und damit auch die Familie Buendía, deren Schicksal von Einsamkeit und Wiederholung geprägt war.
"Der Zauberer" von Colm Toibin
Ein Leben zwischen Schatten und Glanz
Colm Tóibíns „Der Zauberer“ – ein Meisterroman über Thomas Mann
Mit *„Der Zauberer“* hat der irische Schriftsteller Colm Tóibín ein beeindruckendes literarisches Porträt geschaffen – über niemand Geringeren als Thomas Mann, den „Zauberer“ der deutschen Literatur. Tóibín gelingt es, den Mythos zu entkleiden und den Menschen sichtbar zu machen, der hinter den nobelpreisgekrönten Werken stand: zerrissen zwischen Pflicht und Leidenschaft, Bürgerlichkeit und Begehren, Kunst und Politik.
Ein Leben im Spiegel der Geschichte
Der Roman beginnt in Lübeck, in der kühlen Welt des hanseatischen Bürgertums, und verfolgt Manns Lebensweg über München, Zürich und Los Angeles – von der wilhelminischen Kaiserzeit bis in die Wirren des Exils während des Nationalsozialismus. Tóibín zeichnet diesen Weg mit epischer Ruhe und psychologischer Feinheit nach.
Besonders eindrucksvoll ist, wie der Autor die Spannung zwischen innerer und äußerer Welt inszeniert: Während Thomas Mann nach außen die Rolle des disziplinierten Familienvaters und intellektuellen Patrioten spielt, ringt er innerlich mit seinen homoerotischen Sehnsüchten und der Angst, entdeckt zu werden.
Zwischen Bewunderung und Distanz
Tóibín behandelt seinen Protagonisten mit bewundernder Distanz. Er romantisiert Thomas Mann nicht, sondern betrachtet ihn mit einer feinen Mischung aus Empathie und Ironie. Das Resultat ist kein Heldenepos, sondern das Porträt eines zutiefst ambivalenten Künstlers – jemand, der aus der Spannung seines Lebensstoffs Literatur machte.
Der Roman ist reich an Anspielungen auf Manns eigene Werke – von "Buddenbrooks" über "Der Tod in Venedig" bis zu "Doktor Faustus". Tóibín verschränkt biografische Fakten und literarische Imagination so kunstvoll, dass der Leser am Ende das Gefühl hat, dem echten Thomas Mann nähergekommen zu sein, als es jede Biografie vermöchte.
Ein europäischer Roman
In einer Zeit, in der Nationalismus und Identitätsfragen wieder an Brisanz gewinnen, liest sich "Der Zauberer“ auch als europäischer Roman über Humanismus, Flucht und die Verantwortung des Intellektuellen. Tóibín zeigt, dass das Exil nicht nur geografisch, sondern auch seelisch ist – ein Zustand des dauerhaften Dazwischen.
„Der Zauberer“ ist ein stilles, großes Buch. Es verlangt Geduld, schenkt dafür aber tiefe Einsichten in das Leben eines Mannes, der sein Dasein in Literatur verwandelte. Colm Tóibín beweist damit erneut, dass er zu den feinfühligsten Erzählern unserer Zeit gehört.
"Yellowface" von Rebecca F. Kuang
"Yellowface" von Rebecca F. Kuang ist ein aufregender Roman, der sich mit Identität, kulturell appropriativen Fragen und den Schattenseiten des Schriftstellerlebens auseinandersetzt. Die Geschichte ist sowohl fesselnd als auch provokant und regt zum Nachdenken an. Im Zentrum steht die komplexe Beziehung zwischen zwei Autorinnen, die für den literarischen Ruhm kämpfen. Als eine von ihnen stirbt, kommt es zu einem überraschenden Wendepunkt, der das Leben der Überlebenden für immer verändert. Intrigen und Geheimnisse machen die Geschichte spannend. Das Buch untersucht, wie gesellschaftliche Erwartungen das kreative Schaffen beeinflussen. Kuang nimmt uns mit auf eine Reise durch den Druck des Erfolgs und die Suche nach Authentizität. Dabei bleibt der Leser ständig gefesselt, während er die ethischen Grenzen hinterfragt. Mit ihrem lebendigen Schreibstil und lebhaften Charakteren bringt Kuang uns zum Schmunzeln und Nachdenken zugleich. "Yellowface" ist mehr als nur ein Roman – es ist eine quecksilbrige Reflexion über unsere gegenwärtige Kultur und die Geschichten, die wir erzählen.
I.H.
Joachim Meyerhoff: Man kann auch in die Höhe fallen
Joachim Meyerhoffs neuester Roman *Man kann auch in die Höhe fallen* ist ein eindrucksvoller, feinfühliger und zugleich urkomischer Rückblick auf eine der schmerzlichsten Phasen seines Lebens: den Schlaganfall, den der Autor 2018 erlitten hat. In gewohnt autobiografischer Manier erzählt Meyerhoff von der plötzlichen Erkrankung, der existenziellen Bedrohung und der darauf folgenden körperlichen und seelischen Rekonvaleszenz – mit einem einzigartigen Balanceakt zwischen Tragik und Komik, Ernst und Absurdität.
Der Roman ist Teil seiner autobiografisch geprägten Werkreihe, doch während frühere Bände wie *Alle Toten fliegen hoch* oder *Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war* von Kindheit, Jugend und Familiengeschichte handeln, steht hier der reife, erfolgreiche Schauspieler im Mittelpunkt – der plötzlich in seiner körperlichen Integrität erschüttert wird. Um sich zu erholen, zieht er für kurze Zeit zu seiner Mutter nach Schleswig-Holstein. Die lebensfrohe Mutter unterstütz ihn auf ihre lockere Weise, wieder auf die Beine zu kommen und sogar seine Schreibblockade zu überwinden.
Der Stil ist – wie immer bei Meyerhoff – von einer mitreißenden Erzählfreude geprägt. Seine Fähigkeit, auch dem Leidvollen Leichtigkeit abzuringen, ist bemerkenswert. Er wechselt mühelos zwischen ironischer Distanz und tief empfundener Verletzlichkeit. Dabei bleibt er stets selbstkritisch und liebevoll gegenüber den Menschen um ihn herum, ohne je ins Sentimentale abzugleiten.
"Man kann auch in die Höhe fallen" ist mehr als ein Krankheitsbericht. Es ist ein Buch über das Leben, über die Zerbrechlichkeit des Körpers, über Angst, Liebe, Humor – und darüber, wie sehr wir auf andere angewiesen sind. Meyerhoff gelingt ein Kunststück: Er schreibt ein Buch über Krankheit, das das Leben feiert.
Die ist berührender, kluger und stellenweise sehr lustiger Roman über einen Schicksalsschlag – und über das Menschsein an sich. Für Fans von Meyerhoff ein Muss, für alle anderen eine eindringliche Empfehlung.
I.H.
Tennessee Williams: Die Nacht des Leguan
Tennessee Williams' Drama Die Nacht des Leguan (Originaltitel: The Night of the Iguana) ist ein intensives Kammerspiel über menschliche Zerrissenheit, Schuld und die Suche nach Erlösung. Schauplatz ist ein abgelegenes Hotel an der mexikanischen Küste, in dem der entlassene Pfarrer Shannon, die alternde Künstlerin Hannah Jelkes und weitere verlorene Seelen aufeinandertreffen.
Williams gelingt es, mit psychologischer Tiefe und dichter Sprache die inneren Kämpfe seiner Figuren offenzulegen. Besonders beeindruckend ist die Figur der Hannah, deren stille Würde und Mitgefühl einen Kontrast zu Shannons nervösem Zusammenbruch bilden. Die symbolträchtige Metapher des gefangenen Leguans steht für die gefesselten Wünsche und Ängste der Charaktere – ein zentrales Bild, das sich durch das Stück zieht.
Das Drama ist weniger von äußerer Handlung als von emotionaler Spannung getragen, was es zu einem faszinierenden Beispiel für Williams' Fähigkeit macht, menschliche Abgründe mit poetischer Kraft zu schildern. Die Nacht des Leguan ist ein eindringliches Stück über das Ringen mit der eigenen Vergangenheit – bewegend, tragisch und letztlich voller leiser Hoffnung. I.H.
Horst Evers: Zu faul zum Nichtstun
In „Horst Evers: Zu faul zum Nichtstun“ nimmt uns der Autor mit auf eine witzige Reise durch seine Gedankenspiele über die Kunst des entspannten Herumspielens mit der Zeit. Evers schafft es, selbst das Nichtstun zum Abenteuer zu machen! Mit charmantem Humor und einer Prise Selbstironnie zeigt er, dass Faulheit nicht gleich Untätigkeit ist, sondern vielmehr eine hohe Kunstform. Seine Geschichten kitzeln den Leser zum Schmunzeln und hinterlassen das Gefühl, dass Faulenzertum tatsächlich eine Berechtigung hat – mindestens auf der Couch! I.H.
Umberto Eco: Das Foucautische Pendel
„Das Foucaultsche Pendel“ ist ein komplexer, intellektuell dichter Roman, der sich mit Esoterik, Verschwörungstheorien, Okkultismus und der menschlichen Suche nach Bedeutung beschäftigt. Die Geschichte dreht sich um drei Verlagslektoren – Casaubon, Belbo und Diotallevi – die in einem Mailänder Verlag arbeiten. Aus Spaß beginnen sie, ein fiktives, aber scheinbar plausibles Komplott zu konstruieren, das auf den Templern, Rosenkreuzern, Freimaurern und anderen geheimen Gesellschaften basiert. Sie nennen es „Der Plan“.
Mit der Zeit beginnen Realität und Fiktion zu verschwimmen, und das Spiel wird gefährlich. Sie werden zunehmend von ihrer eigenen Erfindung besessen – bis einige Leute den Plan für echt halten. Schließlich wird Belbo entführt, weil andere glauben, er kenne das Geheimnis hinter dem „Plan“.
Themen & Motive:
- Verschwörungstheorien: Eco zeigt, wie leicht sich scheinbar zusammenhangslose Informationen zu einem bedeutungsschwangeren Narrativ verbinden lassen.
- Suche nach Sinn: Der Roman reflektiert den menschlichen Drang, Muster zu erkennen und Bedeutung in der Welt zu finden – selbst, wenn es keine gibt.
- Fiktion vs. Realität: Eco spielt mit der Grenze zwischen Erfindung und Wirklichkeit.
- Intellektuelle Ironie: Der Roman ist gleichzeitig eine Hommage und eine Parodie auf historische Geheimnisse und esoterisches Denken. I.H.
Hiroko Oyamada: Das Loch
„Das Loch“ von Hiroko Oyamada erzählt die Geschichte von einer Frau, die in ein abgelegenes Dorf zieht, um dort ein neues Leben zu beginnen. In diesem Dorf entdeckt sie ein geheimnisvolles Loch, das eine seltsame Anziehungskraft auf sie ausübt. Während sie sich mit den Eigenheiten der Dorfbewohner und ihrer neuen Umgebung auseinandersetzt, wird das Loch zu einem Symbol für das Unbekannte und die Abgründe des menschlichen Daseins.
Der Roman thematisiert Isolation, die Suche nach Identität und die oft surrealen Aspekte des Alltags. Durch eine subtile und eindringliche Erzählweise schafft Oyamada eine Atmosphäre der Ungewissheit und des Unbehagens, die den Leser dazu anregt, über die Grenzen zwischen Realität und Fantasie nachzudenken. I.H.
Han Kang: Die Vegetarierin
„Die Vegetarierin“ von Han Kang erzählt die Geschichte von Yeong-hye, einer Frau, die beschließt, Vegetarierin zu werden, was in ihrer konservativen koreanischen Familie auf großes Unverständnis stößt. Ihre Entscheidung, Fleisch zu meiden, ist nicht nur eine Ernährungsumstellung, sondern wird zu einem radikalen Akt des Widerstands gegen gesellschaftliche Normen und Erwartungen. Der Roman ist in drei Teile gegliedert, die aus verschiedenen Perspektiven erzählt werden: von Yeong-hyes Ehemann, ihrem Schwager und ihrer Schwester. Diese unterschiedlichen Blickwinkel beleuchten die Auswirkungen ihrer Entscheidung auf ihr Leben und das ihrer Angehörigen, während sich die psychologischen und emotionalen Spannungen zuspitzen. „Die Vegetarierin“ thematisiert Fragen von Identität, Freiheit und den Kampf gegen gesellschaftliche Konventionen. I.H.
Rebecca Serle: In fünf Jahren.
Dannie ist eine erfolgreiche Anwältin für Wirtschaftsrecht die gerade ihren Traumjob angetreten ist. Sie ist in einer festen Beziehung mit einem Mann , denn sie für den richtigen hält. Und doch träumt sie eines Nachts von einer wundervollen Begegnung mit einem unbekannten Mann. Dieser Traum fühlt sich sehr real an und soll in etwa 5 Jahren passieren. Doch je näher dieser Zeitpunkt rückt, desto weniger glaubt sie, dass er in Erfüllung gehen kann, biss plötzlich dieser Mann vor ihr steht. Doch schlimm ist es, weil er der Freund ihrer allerbesten Freundin ist. Auch wenn, Sie, liebe Leser, glauben zu wissen wie es weiter geht, werden Sie überrascht. Ja, es geht um eine Liebesgeschichte, aber eine ganz andere als erwartet. Lesen Sie dieses Buch, es wird sich lohnen. I.H.
Fredrik Backman: Oma läßt grüßen und sagt es tut ihr leid Ein wundervolles Buch über das Loslassen und Finden, über Familie mal anders, der Wirklichkeit die zum Märchen wird. Ich hatte eine wunderschöne Zeit mit der 7 jährigen Elsa, die altklug ist und Unbekanntes immer auf Wikipedia nachliest. Ich musste herzlich über Elsas kauzige Oma lachen, die furchtbar chaotisch ist und es liebt ihre Nachbaren in den Wahnsinn zu treiben, trotzdem eine besondere Beziehung zu jedem von ihnen hat. Es ist eine warmherzige Erzählung mit viel Witz und besonderen Charakteren. Ein Vergnügen. I.H.
Karsten Dusse: Achtsam morden Ich möchte hier ein Hörbuch empfehlen: Achtsam morden wird von Mathias Matschke gelesen und ich hätte nicht gedacht, dass mich diese Geschichte so sehr amüsiert. Ein sehr gestresster Strafverteidiger, der weder zu Hause, noch in der Anwaltskanzlei große Erfolge verzeichnet, wird von seiner Frau gezwungen, ein Achsamkeits-Seminar zu besuchen. Trotz seiner anfänglichen Skepsis, trägt dieses Seminar bald Früchte. Nur anders als erwartet. Als sein einziger Mandant, ein brutaler Mafiaboss, sein Wochenende mit der Tochter stört, bringt der Anwalt ihn kurzerhand um. Doch nicht einfach so, sondern nach allen Regeln der Achtsamkeit. Eine coole Geschichte mit rabenschwarzem Humor. Ein Hörgenuss. W.W.
Richard Osman: Der Donnerstagsmordclub In einer luxuriösen Seniorenresidenz in der Grafschaft Kent, treffen sich immer Donnerstag Nachmittag vier Senioren um ungelöste Kriminalfälle der Polizei zu besprechen. Da ist Elizabeth, eine ehemalige Geheimagentin, Ron, ein ehemaliger Gewerkschaftsführer, Ibrahim, ein Psychiater und Joyce, ehemalige Krankenschwester. Und dann passiert das Unfassbare: vor der Tür der Seniorenresidenz, Coopers Chase, wird ein Mord verübt. Die vier Senioren sind gleich mit Eifer dabei. Ihre Jagd auf den Mörder gestaltet sich sehr lustig. Ich habe nicht nur den ersten Roman sehr gerne gelesen. Die Figuren sind liebevoll dargestellt und ich konnte manche ihrer Eigenarten gut nachvollziehen. Sehr, sehr nett. J.D.
Pierre Martin: Monsieur le Comte und die Kunst des Tötens
Stellen sie sich vor, sie versprechen ihrem Vater auf dessen Sterbebett, die Tradition der Familie weiterzuführen, aber überhaupt keine Lust darauf haben. So ergeht es Lucien Comte de Chacarasse. Es kommt aber noch schlimmer, denn die Chacarasse waren schon immer sehr bewannt in der Kunst des Tötens. Doch Lucien möchte lieber sein kleines Restaurant das P'tit Bouchon (der kleine Korkenzieher) führen, gut essen und sich vergnügen. Das kann er nicht mehr. Was tun, den sein Onkel droht ihm, sollte er die Aufträge nicht erfüllen, dann..... Guter Rat ist teuer, wie einen Mordauftrag erfüllen, ohne jemanden zu töten? Nur soviel sei hier verraten: es klappt. Lesen Sie diesen unterhaltsamen Kriminalroman und lassen sich an die französische Mittelmeerküste entführen. Amusez-vous. I.H.
